#371: Deutschlands neue Stromtrassen – Warum der Transport der Kabel so komplex ist
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00:00:24: Ich bin Deborah Baran, Redakteurin der VerkehrsRundschau, schön, dass Sie wieder mit uns unterwegs sind.
00:00:30: Christian Bonk, freier Journalist und auch viel auf den Straßen dieses Landes unterwegs.
00:00:35: Und heute mit einem Thema, das gigantisch klingt aber für unseren Alltag entscheidender ist als viele Denken.
00:00:41: Wie baut man eigentlich die Stromtrassen, die Deutschland für die Energiewende braucht?
00:00:45: In den letzten Wochen hatte ich das Gefühl dass die Diskussion über Energieversorgung wieder lauter wird.
00:00:51: Strompreise Versorgungssicherheit Netzausbau alles hängt zusammen.
00:00:54: Und dann lese ich, dass die Bundesnetzagentur erneut Bauabschnitte für Südling und Südosling freigegeben hat.
00:01:01: Da frage ich mich wie weit sind wir eigentlich?
00:01:03: Was bedeutet das für die Logistik?
00:01:05: Genau da beginnt unsere Reise!
00:01:07: Denn bevor wir über Schwerlasttransporte sprechen müssen wir verstehen was diese Stromtrassen überhaupt leisten sollen und warum sie so groß, teuer und komplex sind.
00:01:17: Die wichtigste Erkenntnis ist fast banal Deutschland braucht neue Leitungen weil der Strom nicht dort entsteht wo er gebraucht wird.
00:01:23: Der Wind weht im Norden, die Industrie sitzt im Süden und die bestehende Netze sind dafür schlicht nicht ausgelegt.
00:01:30: Und dann kommt ein Phänomen dazu das viele überrascht Stromleitungen sind nämlich nicht einfach Kabel im Boden.
00:01:36: Südlink- und Südostlinks sind Hochspannungsgleichstromübertragungsleitung so ist der genaue Begriff und abgekürzt HGU genannt.
00:01:46: Jede dieser Leitung kann zwei Gigawatt transportieren.
00:01:50: Das ist genug um mehrere Millionen Haushalte zu versorgen.
00:01:53: Was mich persönlich wirklich überrascht hat, wenn Südling und Südostling fertig sind, transportieren sie zusammen so viel Energie wie ganz München, Nürnberg und Stuttgart gleichzeitig Verbrauchen.
00:02:03: Vier Gigawatt!
00:02:04: Und das alles durch Leitungen die komplett im Boden verschwinden.
00:02:07: Man sieht sie nicht aber Sie versorgen ganze Metropolregionen.
00:02:11: Damit kommen wir zu einem Punkt der in der Debatte oft untergeht.
00:02:14: Netzausbau ist nicht gleich netzausbaue.
00:02:16: Südlink ist die Nord-Süd-Aurta, Südöstling die Ost-Südverbindung.
00:02:22: Beide zusammen umfassen über tausend Kilometer Erdkabel und beide werden in Abschnitten genehmigt, die sich wie ein Puzzle zusammensetzen.
00:02:30: Ein Beispiel?
00:02:31: Bei Südling ist der Abschnitt zwischen Wischhafen- und Kutenholz in Niedersachsen genehmig – rund vierundvierzig Kilometer!
00:02:38: Beim Südaustling sind bereits fünf von neun Abschniten durch insgesamt etwa zweihundert fünfzehn Kilometer.
00:02:43: Und jedes Mal wenn ein Abschnitt freigegeben wird beginnt ein logistisches Räderwerk zu laufen das man von außen kaum sieht.
00:02:50: Was viele nicht glauben, eine einzige Kabeltrommel für Südlink beispielsweise kann schwerer sein als ein voll beladener Viertzig Tonner.
00:02:58: Und trotzdem müssen diese Trommeln über Brücken die ursprünglich nie für solche Lasten ausgelegt
00:03:02: waren.
00:03:03: Jede Route wird vorher digital simuliert jede Brücke einzeln geprüft.
00:03:08: das ist Schwerlastlogistik im Millimeter Bereich.
00:03:11: Bevor wir über die Logistik sprechen, lohnt sich ein Blick auf die genauen Dimensionen.
00:03:15: Eine einzige Kabeltrommel für eine HGU-Leitung kann bis zu ninety fünf Tonnen wiegen.
00:03:21: Sie ist so groß wie in einem Familienhaus und sie muss Millimeter genau an die Baustelle gebracht werden – oft über enge Landstraßen durch Ortschaften oder Brücken, die nicht für solche Lasten gebaut wurden.
00:03:33: Und diese Kabel sind High-Tech!
00:03:34: Mehrschichtige Isolationen, Kupferleiter, Schirmlagen... Ein einziger Meter kostet mehr als tausend Euro.
00:03:41: Und das Verrückte ist schon ein kleiner Knick beim Transport, kann ein ganzes Stück unbrauchbar machen.
00:03:46: Deshalb müssen die Trommeln so präzise bewegt werden wie möglich.
00:03:50: Und dann die Genehmigungen!
00:03:52: Für einen einzigen Transport braucht es manchmal über zwanzig Einzelgenehmigung – Polizei, Straßenbauämter, Kommunen Brückenprüfungen Begleitfahrzeuge Nachtverbote.
00:04:01: und dass alles für eine Trommel, die vielleicht vierhundert Meter Kabel enthält.
00:04:05: Und wenn man bedenkt, dass Südlink über siebenhundert Kilometer lang ist, versteht man wie gigantisch dieses Puzzle wirklich ist.
00:04:12: Was mich besonders beeindruckt – diese Transporte müssen oft mit exakten Zeitfenster ankommen weil die Kabel direkt vom Lkw in den Schacht eingezogen werden.
00:04:21: Kein Zwischenlager, kein Abstellen am Straßenrand!
00:04:35: Kabelzug, Verfüllung.
00:04:37: Alles läuft im Takt!
00:04:38: Wenn ein Transport zu spät kommt steht das ganze System still.
00:04:42: Wenn man sich das anschaut kristallisieren sich fünf Dinge heraus die diese Transporte so anspruchsvoll machen Gewicht Länge Genehmigung Timing und die Tatsache dass jede Verzögerung eine ganze Baustelle lahmlegen kann.
00:04:55: Und jetzt sprechen wir mit jemanden über die tatsächlichen Herausforderungen der täglich mit den Projekten beschäftigt ist.
00:05:02: Janis Böttcher ist Teamleader Project Logistics bei RENOS.
00:05:08: Ja, schönen guten Tag Herr Bötcher!
00:05:10: Vielen vielen Dank dass Sie heute Zeit für uns haben und uns ein paar spannende Insights zum Thema Trassenbau in Deutschland vermitteln werden.
00:05:20: Schönen guten tag und schön das ich jeder dabei sein darf.
00:05:24: Fangen wir gleich an.
00:05:26: Schildern sie uns doch mal wie der typische Weg einer HGU-Kabeltrommel aussieht?
00:05:33: Wir bei RENOS planen den verschiedenen Projekten in Deutschland, den logistischen Transport der Kabeltrommeln von verschiedenen Produktionsstätten zu den verschiedenen Zwischenlegern entlang der Trassen in Deutschland.
00:05:49: Das heißt die von uns verantwortete Strecke führt ab europäischen Produktionsstatten über den multimodalen Transport mit verschiedenen Verkehrsträgern wie zum Beispiel mit Hilfe von Binschiffen, Küstenmotorschiffen und Lkw zu den entsprechenden Endpunkten in den Zuschlägern.
00:06:09: Also ein klassischer kombinierter Transport sehr umweltfreundlich dann teilweise zumindest.
00:06:16: Welche Dimensionen und Gewichte müssen wir uns denn vorstellen wenn man die Trommeln denken?
00:06:21: Und ja von was für Ausmaßen sprechen wir da?
00:06:27: Wir transportieren verschiedene Größen.
00:06:30: Es geht los bei kleineren Kabeltrommeln von ungefähr dreißig bis vierzig Tonnen Stück Gewicht, der Großteil der Kabel Trommeln die in den Projekten Südling und Südostlings zum Beispiel transportiert werden bewegt sich mit Abmessung von ca.
00:06:47: zehn bis zwölf Metern Länge bei einem Durchmesser von vier bis vier Komma eins bis vier Komma zwei Metern und Stückgewichten von siebzig bis maximal fünf neunzig Tonne ungefähr.
00:06:58: Also echt schwere Lasten, die Sie da transportieren.
00:07:03: Wie lange dauert denn die Planung eines einzelnen Transports?
00:07:06: Und welche Genehmigungen sind dafür notwendig?
00:07:10: Mit der Planung beginnen wir in der Regel vier bis sechs Wochen vor einem festgelegten Abholtermin.
00:07:17: Der Großteil geht natürlich dafür drauf, dass wir die verschiedenen Verkehrsträger koordinieren und aufeinander abstimmen müssen.
00:07:28: Dabei ist immer das Ziel eine möglichst geringe Gesamtrandezeit sicherzustellen auch mit möglichst reduzierten Zwischenlagerzeiten in den Transithefen.
00:07:40: Bezüglich der Genehmigung liegt hier der Hauptaugenmerk bei nötigen Lkw-Transporten.
00:07:49: Aufgrund der Abmessung der Kabeltrommeln ist hier jeder Transport genehmigungspflichtig und diese Genehmigung kann durchaus einige Wochen dauern, diese zu bekommen.
00:08:01: Okay das heißt Sie müssen aber auch wahrscheinlich sehr oft umplanen wegen Baustellen oder Ferienverkehr.
00:08:09: muss man sich das so vorstellen?
00:08:12: Das kann durchaus vorkommen.
00:08:15: Das ist aktuell immer öfter der Fall, auch hinsichtlich der längeren Laufzeit in dieser Projekte.
00:08:25: Dass durch die ja immer wieder verschiedenen auftretenden Baustellen auf der Strecke die Streckel geändert werden müssen und das erhöht oder gibt es natürlich dann immer noch zusätzlichen Planungsaufwand?
00:08:37: Und was sind denn so die größten Herausforderungen auf der Strecke?
00:08:40: also Sie haben ja mit Sicherheit mit engen Ortsdurchfahrten, mit Steigungen unterschiedlichen Witterungssituationen zu tun.
00:08:47: Was ist da am kompliziertesten?
00:08:52: Ja, der Part mit dem Lkw-Transport ist sicherlich der aufwendigste Part wo es verschiedene Herausforderungen gibt.
00:09:01: als Beispiel kann man dort nennen Brücken die überquert werden müssen was bei den Gesamtgewichten über die wir hier sprechen nicht immer möglich ist.
00:09:14: Deswegen ist auch zu Streckenänderungen kommen kann.
00:09:17: Auch bei Ortsdurchfahrten gibt es verschiedene Themen, vor allem im öffentlichen Bereich von Kurven und zum Beispiel auch Kreiseln, bei denen verschiedene verkehrslenkende Maßnahmen durch die sein können.
00:09:28: Das heißt wir sind dann auch dafür verantwortlich für temporäres Abmontieren von Schildern oder müssen auch mal Startplatten legen falls wir über Grünstreifen fahren müssen.
00:09:42: Thema Wittrund spielt auch natürlich eine Rolle.
00:09:46: Vor allem kann das in Winterzeit vorkommen, dass der Zeitplan geändert wird oder angepasst werden muss aufgrund von Schnee- oder Eis da natürlich bei Schnee und Eis die Transporte nicht stattfinden können.
00:10:04: Und auch im Bereich Binschefahrt ist das Thema Witterung und die einhergehende Auswirkungen auf Begelstände, auf den Flüssen.
00:10:16: Definitiv auch ein Thema.
00:10:19: Wie viele Menschen und Fahrzeuge sind in typischer Weise an einem einzigen Transport beteiligt?
00:10:26: Innerhalb der kompletten Transportkette können bis zu fünfzig Personen an den verschiedenen Punkten und Transithefen im Einsatz sein.
00:10:39: Das verteilt sich dann, wie gesagt auf die Transitpunkte auch die verschiedenen Verkehrsträger, die hier zum Einsatz
00:10:45: kommen.
00:10:47: Dann würde uns noch interessieren welche Sicherheitsmaßnahmen gelten eigentlich beim Händling von solch schweren vierzig bis fünfneinzig Tonnen Trommeln?
00:10:58: Definitiv ein wichtiges Thema steht bei Renus und unseren nachgelagerten Unternehmen sowie den.
00:11:07: Es geht in allen Beteiligtenunternehmen an höchste Stelle, dass wir natürlich für Menschmaschineware und einen weiteren Beteilligten die Sicherheit gewährleisten können.
00:11:21: Das heißt es sind für jede Maßnahme oder auch für den kompletten Transport wie verschiedene auf die Projekt spezifisch abgestimmte Sicherheitsmaßnahmen definiert damit sichergestellt ist das jeder im Projekt beteiligte genau weiß was und wann und wie es zu tun ist.
00:11:42: Dies umfasst beispielsweise regelmäßige Schulungen unserer Erbteilung, und auch eigenmaschige Inspektionen der eingesetzten Maschinen.
00:11:51: Zum Beispiel haben wir vor jedem Lift einen sogenannten Toolbox Talk bei dem exakt abgestimmt wird, was genau zu tun oder ausschließlich nur mit genehmigten und abgestimmten Plänen gearbeitet werden kann, also Liftpläne, Staubplänen usw.
00:12:17: Das sorgt dann für eine maximale Sicherheit aller Projektbeteiligten, worüber wir auch im stetigen Austausch mit unseren Kollegen aus der Fachabteilung sind sowie auch aus unserem
00:12:28: Engineering-Bereich.".
00:12:30: Okay das waren superinteressante Einblicke Herr Böttcher vielen lieben Dank dafür!
00:12:35: Wir können uns jetzt alle besser vorstellen, was es für einen enormen Aufwand bedeutet diese riesigen Kabeltrommeln zu bewegen und damit dann endlich unsere Stromversorgung in Deutschland auf die nächste Ebene zu heben.
00:12:47: Dafür nochmal ganz herzlichen Dank!
00:12:49: Und vielleicht bis zum nächsten Mal bei uns im Studio.
00:12:54: Sehr gerne, vielen Dank
00:12:56: Auch von mir.
00:12:56: vielen Dank für Ihre Zeit und Ihnen liebe Zuhörerinnen und Zuhörer Danke dass Sie wieder eingeschaltet haben.
00:13:02: Sollten Sie Fragen, Ideen oder Feedback haben finden sie einen Kontakt in den Show Notes und wir freuen uns natürlich auch immer über eine Bewertung auf der Podcast-Plattform Ihrer Wahl.
00:13:11: Das war es mit VerkehrsRundschau Funk für heute – Wir hören uns nächste Woche wieder!
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