#369: Wie stark trifft die Volkswagen-Krise die Logistikbranche?
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00:00:07: Herzlich willkommen zu der neusten Folge von Verkehrsrundschau-Funk.
00:00:11: Mein Name ist Deborah Baran, ich bin Redakteurin bei der Verkehrsundschau.
00:00:15: Für diese Runde habe ich mir wieder meine Kollegin Eva Hasser, Leiterin des Ressorts Transport und Logistik ins Boot geholt – denn sie hat sich tiefer mit den aktuellen Entwicklungen im Volkswagenkonzern auseinandergesetzt!
00:00:26: Hallo Eva!
00:00:29: Du schreibst in deinem Artikel über die derzeit schwierige Lage der deutschen Automobilhersteller.
00:00:34: Die kämpfen ja derzeit an vielen Fronten.
00:00:36: So müssen sie den Transformationsdruck Richtung E-Mobilität stemmen, zudem ist der Kostendruck hier in Deutschland sehr hoch – Stichwort hohe Personalkosten und Energiekosten.
00:00:47: Dazu kommen noch aktuelle geopolitische Herausforderungen wie etwa die US-Zollpolitik oder der Iran Krieg und vor allem der steigende Wettbewerb durch chinesische Hersteller.
00:00:58: Bleiben wir aber mal bei dem Volkswagenkonzern, der ja zuletzt stark in den Schlagzeilen war.
00:01:02: Was passiert da gerade?
00:01:04: Ja, du hast es ja eingangs schon sehr gut geschildert was im Automobilmarkt gerade los ist.
00:01:10: und diese ganze Gemengenlage die trifft natürlich auch Volkswagen.
00:01:15: Mit der Folge, dass der Konzern im zweiten Quartal z.B.
00:01:19: erneut einen deutlichen Gewinnrückgang vermeldet hat trotz stabiler Umsätze.
00:01:24: so ging der Überschuss bei Volkswagen im zweiten Quadtal im Vergleich zum Vorjahrszeitraum um ganze dreiunddreißig Prozent auf eins Komma fünf Milliarden Euro zurück.
00:01:36: also das schon ganz schön ordentlich.
00:01:39: Kein Wunder, dass jetzt Volkswagen händeringend nach Lösungen sucht.
00:01:43: Wie und wo man eben noch Kosten sparen kann?
00:01:47: Und vor diesem Hintergrund hat der Konzernchef des Automobilherstellers Oliver Blume sogar die Schließung von drei VW-Werken in Empten, Hannover & Zwickau aber auch das Audi Werks in Neckars Ulm ins Spiel gebracht.
00:02:04: Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat laut Medienberichten diese Pläne zwar vorerst abgelehnt und die Gewerkschaften machen natürlich auch Druck.
00:02:13: Und auch Blume sagt mittlerweile, es gibt intelligentere Lösungen als Werkschließungen.
00:02:18: doch der Keim ist gesetzt und entsprechend sind jetzt sehr viel Menschen nervös.
00:02:24: denn von einer solchen Schließung werden ja nicht nur viele tausend Menschen in den entsprechenden Regionen betroffen zum einen natürlich die Beschäftigten in den Bergen selbst die natürlich jetzt Angst um ihren Arbeitsplatz haben müssen, aber auch die vielen Zulieferer von Volkswagen oder die vielen Transportspotitions- und Logistikunternehmen, die mit Volkswagen zusammenarbeiten.
00:02:45: Die werden ja alle von einer etwaigen Schließung der Werke betroffen.
00:02:52: Volkswagen ist nun mal ein wirklich sehr mächtiger Arbeitgeber und Auftraggeber hier in
00:02:57: Deutschland.".
00:02:59: Du hast jetzt auch mit einigen Transport- und Logistikdienstleistern von Volkswagen gesprochen.
00:03:04: Wie geht es denen?
00:03:06: Die meisten sind erst mal sehr verunsichert, manche haben natürlich auch Angst um ihre Existenz.
00:03:12: Das hängt aber natürlich auch sehr stark davon ab wie viele Geschäfte sie mit Volkswagen machen, wie viel Prozent ihres Umsatzes eben auf Volkswagen entfällt und welche Aufgaben Sie für den Kunden übernehmen.
00:03:24: Ich habe da zum Beispiel mit Jakob Weetz, Gründer und Geschäftsführer der Wehtspedition gesprochen.
00:03:29: Sein größter Einzelkunde ist tatsächlich Volkswagen.
00:03:32: Also, um dir da mal paar Größenordnungen zu nennen.
00:03:35: An gewöhnlichen Produktionstagen transportieren einunddreißig WCW-Automobilteile und Komponenten von Zulieferern des Konzerns aus ganz Deutschland zum VW Werk in Emden.
00:03:46: Und dann ist ja jetzt auch in der Interlogistik der Just In Time und Just In Sequenz Belieferung aber auch in den Montage von Fahrzeugkomponentinnen und in der Kommissionierung für das VWwerk in Emde tätig.
00:03:57: also kannst du dir schon einmal vorstellen wie viele Mitarbeiter Wenn die Volkswagen des Werks schließen würde, dann hätte das auch bei Wetz ziemlich deutliche Folgen.
00:04:13: So geht es natürlich auf vielen anderen Transport- und Spuditionsdienstleistern, die für den Konzern tätig sind.
00:04:19: Wir können also davon ausgehen, dass dann natürlich schon auch in vielen Bereichen dann Arbeitsplätze entfallen würden.
00:04:25: Aber wie gesagt Erweitz hat da auch ganz gut vorgesorgt.
00:04:28: Also die haben zum Beispiel auch weitere Neustandbeine erschlossen um sich da auch unabhängig zu machen und zum Beispiel da im Bereich erneuerbarer Energien sind sie stark unterwegs.
00:04:41: Ja das ist jetzt ein konkretes Beispiel.
00:04:44: und dann gibt es natürlich auch Transport- und Speditionsbetriebe noch sehr viel mehr Umsatz mit Volkswagen, also angeblich siebzig oder achtzig Prozent ihres Umsatzes entfallen auf Volkswagen und für die wäre natürlich die Schließung eines VW-Werk fatal.
00:05:03: Und am stärksten dürfte es wahrscheinlich wieder mal die kleineren Transportbetriebe treffen, die eben als Unterfrachtführer für größere Transport- und Speditionsunternehmen tätig sind, denn wenn Aufträge wegbrechen, werden diese größeren Dienstleis erst mal versuchen ihre eigenen Lkw-Kapazitäten auszulasten bevor sie die Aufträge eben an andere Transporteure fremd vergeben.
00:05:26: Also du siehst schon welche Kreise tatsächlich eine Schließung eines Werks haben könnte.
00:05:32: Oh ja!
00:05:33: Du hast in deinem Artikel auch geschrieben dass Werkschließungen besonders Unternehmen den der Bestands und Beschaffungslogistik tätig sind treffen würde.
00:05:42: Woran liegt das?
00:05:44: Dazu habe ich zum Beispiel mit Professor Ulrich Müller Steinfahrt gesprochen.
00:05:48: Er ist ja Logistikprofessor an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt.
00:05:54: Er erklärte mir das Serfer einfach, formuliert so... Also viele Teile, die die OEMs in der Produktion benötigen werden ja von Zulieferern produziert.
00:06:03: Also nicht von den OEM selbst.
00:06:05: und da die Automobilhersteller diese Teile in der Regel punktgenau also just in Sequence, sprich direkt ans Produktionsband geliefert haben wollen, haben sich sehr viele Lieferantenläger direkt vor Ort am OEM-Standort angesiedelt.
00:06:22: Und diese lieferanten Läger werden eben sehr häufig vom Spezitions- und Logistikunternehmen betrieben.
00:06:27: Sprich, diese Unternehmen haben sich über Jahre auf bestimmte Werke und Zulieferstrukturen ausgerichtet auch mit entsprechenden Investitionen.
00:06:36: Also sie haben halt lächer Umschlagpunkte Personal aufgebaut um eben diese Standorte zu versorgen.
00:06:42: Und wenn jetzt dieser Produktionsstandort wegfällt fällt natürlich für den Dienstleister die gesamte Grundlage für die Investitionsweg.
00:06:50: also so er hat mir das Professor Müller Steinfahrt erklärt Und du kannst dir vorstellen, welche Auswirkungen das dann auf die Logistik-Unternehmen hat.
00:06:59: Vor allem weil sie ja nicht wissen wie sie dann künftig ihre Assets voll auslasten können.
00:07:05: Wie gesagt der Automobilindustrie ist eben ein sehr großer Auftraggeber und so ein Geschäft kann man eben nicht so schnell und nicht so leicht kompensieren.
00:07:15: Die
00:07:23: meisten Unternehmen, die ich gesprochen habe, warten jetzt erst mal ab wie Volkswagen agieren wird.
00:07:30: Also da ist ja im Augenblick einiges im Fluss.
00:07:34: Gleichzeitig arbeiten aber die meisten Dienstleister, die in der Automobillogistik ihr große Standbein haben schon seit Jahren mit Hochdruck daran sich unabhängiger von der Automobilität.
00:07:47: Branche zu machen, weil wie gesagt die Automobilindustrie befindet sich ja jetzt nicht aktuell zum ersten Mal im Umbruch.
00:07:54: Das passiert ja im Endeffekt schon, würde ich sagen seit zwei tausend neunzehn so.
00:08:00: allerdings muss man auch feststellen die Diversifizierung sprich die Erweiterung eines Geschäftsportfolios geht jetzt auch nicht so schnell wie manche eben denken.
00:08:09: also Ich habe dazu auch mit Focke Fels gesprochen als Vorstandvorsitzender des Transport- und Logistikunternehmens LIT.
00:08:15: Er braucht eine Diversifizierung in der Regel mehrere Jahre.
00:08:23: Das ist ja auch der Grund dafür, warum in den letzten Jahren auch größere Mittelständler in unserer Branche seit einigen Jahren kräftig Firmen zukaufen, weil sie auf die Art und Weise viel schneller in neue Geschäftsfelder oder auch neue Kundenbranchen erschließen können.
00:08:39: Was ist dann also dein Ausblick?
00:08:41: Machst du dir große Sorgen um die Automobil-Logistikbranche oder siehst du Möglichkeiten, wie sich die Unternehmen den ganzen Unsicherheiten
00:08:48: stellen können.
00:08:50: Ja, wie ich dir schon gesagt habe ein Auftraggeber wie Volkswagen setzt man nicht zu schnell.
00:08:56: aber was jetzt auch ganz wichtig ist selbst wenn Volkswagen tatsächlich seine vier Werke hier in Deutschland schließen Würde haben die Unternehmen noch knapp drei, fünf Jahre Zeit.
00:09:11: Denn z.B.
00:09:12: die Drei-VW-Werke in Empten, Hannover und Zwickau haben bis Ende
00:09:17: Dezember-Zw.A.,
00:09:19: Bestandschutz.
00:09:24: Und außerdem muss man ja auch sagen ... fällt das Transport- und Logistikgeschäft ja in Zukunft nicht wirklich weg.
00:09:30: Also Volkswagen wird dir auch in Zukunft Fahrzeuge bauen, vielleicht dann nicht mehr an den bekannten Standorten in Deutschland sondern vielleicht in anderen Ländern aus Europa.
00:09:39: Sprich die Transportströme verändern sich und verschieben sich ins Ausland Und wie du weißt ist die Transport-Logistikbranche sehr flexibel.
00:09:49: Das heißt die Dienstleiste werden dann eben Volkswagen zu den entsprechenden neuen Produktionsstandorten folgen.
00:09:58: Zumindest wenn das die größeren Dienstleister tun, da sehe ich jetzt nicht so schwarz.
00:10:03: Ich bin aber unter uns gespannt wie es überhaupt mit dem Automobil-Standort hier in Deutschland weitergeht.
00:10:10: Die große Frage ist ja ob wir im Jahr zwei Tausend Vierzig überhaupt noch Fahrzeuge in Deutschland bauen?
00:10:15: Dazu habe ich ein bisschen Werbung muss sein, im Übrigen mit Professor Stefan Bratzel gesprochen.
00:10:21: Er ist Gründer und Direktor des Center of Automotive Management in Berges Gladbach Und ich hab von ihm wirklich sehr interessante Einschätzungen bekommen.
00:10:30: Wenn man mag kann man die bei uns unter www.verkehrsrundschau.de finden oder aber in der Ausgabe der Verkehrsrunde, die wir aktuell veröffentlicht haben.
00:10:42: Ja, den Appell an unsere Hörer unterstütze ich natürlich auch.
00:10:47: Vielen Dank Eva für deine Einblicke und damit verabschieden wir uns wieder!
00:10:52: Vielen dank dass Sie heute eingeschalten haben.
00:10:56: Sollten sie Fragen, Ideen oder Feedback haben finden Sie einen Kontakt in den Shownauts und wir freuen uns natürlich immer über eine Bewertung auf der Podcast-Plattform Ihrer Wahl.
00:11:05: Das war es mit Verkehrsrundschauffunk.
00:11:07: Wir hören uns nächste Woche wieder.
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